And now?

26 Sep 2017

Es ist 24 Uhr. Ich sitze in meinem Zimmer, Kopfhörer in den Ohren. Eine Träne rollt langsam über mein Gesicht. Mein Mund verzieht sich zu einem breiten Grinsen. Gedanken toben durch meinen Kopf und hinterlassen ein Chaos.
It's 12 a.m. I'm sitting in my room, headphones in my ear. A tear is slowly rolling down my cheek. There is a broad smile on my face. Thoughts are racing through my head, leaving a big chaos.


Noch bevor ich das lang ersehnte Stück Papier Anfang Juli in den Händen hielt, hatte jeder schon einen guten Rat für mich. Und wenn dann die gefürchtete Frage "Was kommt danach" kam, zeigten die einen Verständnis für mein ausweichendes Gestammel, während die anderen genauer nachfragten. Die Schule, 12 Jahre lang einen genauen Plan vorgegeben, man lernt weniger fürs Leben als für die nächste Klassenarbeit. Und wenn dann der Zeitpunkt endlich kommt und man im Abendkleid die zukünftige Freiheit feiert, ist das DIE Chance. Endlich nochmal bei null anfangen, sein Leben selbst in die Hand nehmen. Doch was ist, wenn man noch nicht den genauen Masterplan hat?
Even before I hold the long-awaited paper in my hands, everyone had some smart advice for me. And when the dreaded question "What now" came, some tried to show understanding for my evasive stammering, whereas others asked for detailed information. School, 12 years with an exact plan, learning rather for the next exam than for life. And when the time has finally come and you celebrate your future freedom in your evening dress, this is THE chance. Start over again and take your life in your own hands. But what if you don't have the one masterplan yet?

"Bei so einem guten Schnitt ist diese Zeit vergeudet!"
"Geniesst du das jetzt?!" 
"Dir geht es so gut im Moment"
"Was machst du jetzt eigentlich in Zukunft?"
".."
"With such good grades you are wasting your time!"
"Are you enjoying that?"
"You're so lucky"
"What will you be doing in the future?"
"..."

Jeden Tag höre ich solche Sätze. Gut gemeinte Ratschläge, vorsichtige Nachfragen, Neugier und viel Unverständnis. Alle wollen teilhaben und manchmal mehr als das, sie wollen bestimmen. 
Was ist das Schlimme wenn ein junger Mensch ohne richtige Lebenserfahrung noch nicht genau weiß, was sein Ziel ist? Nein, ich vergeude meine Zeit nicht, wenn ich nicht sofort dem nächsten akademischen Abschluss hinterherrenne. Vielleicht möchte ich mein Leben ja anders leben. Nicht überall erzählen, was ich eigentlich hätte machen sollen. Nicht nur für das Wochenende leben. Nicht voller Reue zurückblicken auf eine ganze Reihe verpasster Momente. 
Ich möchte mich entdecken, meinen eigenen Weg finden. Mich dabei verlaufen und auf die Nase fallen. Erfahrungen machen und daraus lernen. Am Ende glücklich zurückblicken. Stolz sein, auf ein tolles Leben.
Everyday I hear such sentences. Well-intentioned advices, careful questions, curiosity and a huge lack of understanding. Everyone wants to participate and sometimes to decide for me.
What is the problem when a young person without real life-experience doesn't know yet, what her aim is? No, I'm not wasting my time if I don't run after the next academic degree. Maybe I intend living my life differently. Not telling everyone what I should've done. Not solely living for the weekend. Not regretfully looking back to all those missed opportunities. 
I want to develop, to find my own way. By doing so to get lost and fall down. To gain experience and learn from it. In the end, look back happily. Be proud of a great life.

Es gehört Mut dazu, den ersten Schritt zu machen. Sich nicht irritieren zu lassen, von all denen, die selbst unzufrieden sind. Sich beim ersten Fehltritt nicht gleich wieder umzudrehen. Sich einzugestehen, dass man den richtigen Weg noch nicht gefunden hat. Ich genieße die Momente in denen ohne erkennbaren Grund ein warmes Glücksgefühl in mir aufsteigt. Wenn ich die Augen schließe und einfach nur Dankbarkeit fühle. Und auch wenn ich jetzt im Moment meinen genauen Plan noch nicht entdeckt habe und in mir ein Gedankensturm tobt, bin ich unendlich dankbar für die Möglichkeiten die ich habe. Ich weiss, ich werde meinen Weg finden.
It takes courage to make the first move. To not being irritated by those who are dissatisfied with their own life. To not turning back with the first misstep. To admit, that you haven't found the right way yet. I enjoy those precious moments, when, without an obvious reason, a warm feeling of happiness raises in my body. When I close my eyes and just feel gratitude. And even though I haven't discovered my plan and in my head a storm is raging, I'm infinitely grateful for all the opportunities I have. I know, I will find my way.


3 comments:

  1. Oh wow. Kann mich gerade so gut in dich hineinversetzten. Noch habe ich dieses Schuljahr vor mir aber ich bekomme ständig die Frage: "Was machst du danach?" gestellt. Und ich kann sie gar nicht wirklich beantworten. Ich will so vieles und nichts.

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar! Ich wünsche dir alles Gute für dein letztes Schuljahr. Und egal wofür du dich am Ende entscheidest, hör auf dich und deine Intuition!

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  2. Ohje das kenne ich. Meine Schwester macht gerade Abi und jeder fragt sie. Und ich denke mir nur: lasst sie doch machen. :-D

    LG Ilka

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